TV 1863 Ortenberg ( Hessen )

   

   

Dürfen auch Frauen Sport treiben?

Auf dem Land, wo alle Entwicklung langsamer voran schreitet als in den großen Städten, hielt sich der Vorbehalt dem Sport gegenüber sehr hartnäckig.

Gerade gegenüber Frauen und Mädchen waren diese Vorbehalte besonders ausgeprägt. Hierzu ein Auszug aus einer Schrift des Deutschen Olympischen Sportbundes über die Gleichstellung der Geschlechter im Sport für die Jahre 1910 bis 1920. Davor galt Sport für Frauen als allgemein unschicklich, verdorben und gefährlich. 

„Turnen oder nicht Turnen „ - vor 100 Jahren war dies vor allem eine Frage des Anstands. Für Frauen war das Turnen zwar schon seit Jahrzehnten gestattet, aber nur um der Gesundheit willen und mit strengen Sittlichkeitsregeln. Das bedeutete: Springen oder das Spreizen der Beine waren verboten, Anstrengung und Leistung verpönt. Geräteturnen war umstritten, geduldet wurden Freiübungen und Reigenturnen, die wenig Kraft und Können erforderten. Bild6

Oberste Maxime dabei: Der Kopf einer Turnerin hatte oben zu sein, die Beine bitteschön unten und geziemend geschlossen! Weiblichkeit hieß die Direktive und das bedeutete in erster Linie Anmut und Grazie wider die drohende Vermännlichung. Turnen nach Art der Männer würde Frauen nur eckig und weniger begehrenswert machen. Öffentliches Zur-Schau-Stellen des weiblichen Körpers oder gar Wettkämpfe? Tabu! Im Hauptprogramm des Deutschen Turnfestes durften sie erst 1913 in Leipzig auftreten. Allerdings auch hier nur am Rande des männlichen Geschehens: 62.572 Turner ließen sich als echte Kerle und wehrhafte Helden feiern - demgBild5egenüber konnten nur 1.200 Turnerinnen ihr Können zeigen. Turnfeste waren damals militärisch angehauchte Männer-Spektakel. 

Lange Hose plus kurzes Kleid - so turnten Mädchen im 19. Jahrhundert. Frauen verordnete man den langen Rock. Was in dieser Kleidung nicht machbar war, war schlichtweg nicht gestattet. Den Rock kürzen und Bein zeigen? Moralisch undenkbar. Dann vielleicht doch eine Hose? Skandalös,so etwas tragen nur Mannweiber oder leichtlebige Musen! Das sportliche Mode-Diktat verordnete Weiblichkeit - Männer wollten ihre Hosen schließlich im wahrsten Sinne anbehalten. Trotzdem rebellierten Anfang des 20. Jahrhunderts immer mehr Sportlerinnen gegen das lästige (und obendrein gefährliche) Rock-Handicap und protestierten für mehr Bewegungs-Freiheit. Radfahrerinnen setzten zuerst auf die Pumphose, Skiläuferinnen und Leichtathletinnen zogen nach und kurz vor dem 1. Weltkrieg turnten selbst höhere Töchter kess in der kurzen Hose. 

Quasi als harmlose „Fußball-Ersatz-Sportart“ wurde 1917 das Handballspiel in Berlin erfunden. Da Fußball für Mädchen zu körperbetont erschien, entwickelte Oberturnwart Max Heiser die neue Variante aus bisherigen Ballspielen. Im Vergleich zum Fußball war Handball „zahmer“, Spielfeld und Tore kleiner, das Reglement entschärft, Kampf und Körperkontakt verboten. Voilá, eine neue Sportart war geboren.“

 

 

   

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